Expressionistische Fotografie
Der Weg der Fotografie ist vor allem ein Weg zu sich selbst. Wenn man sich daran macht, «ernsthafter» fotografieren zu wollen, kommt man nicht darum, seinen eigenen Antrieb massiv zu hinterfragen. Mir persönlich ging es noch nie darum, unbedingt exotische Orte präsentieren zu müssen oder Bilder mit der aller neuesten Bildbearbeitungstechnik zu zeigen. Nur weil so ein Bild irgendwie «cool» und ungewöhnlich ausschaut. Es ist gar nicht die rein visuelle Ebene, welche mich wirklich interessiert.
Man geht ja schliesslich auch nicht in die Natur um sich einfach nur «coole Bäume» anzugucken (z aluägä), sondern doch vielmehr um Dinge entdecken zu können, die einem auf geistiger und emotionaler Ebene etwas bedeuten und geben können. Denn letztendlich sehen wir auch mit dem Kopf und nicht nur mit den Augen.
Und so sind es dann eben genau diese Metaphern, diese emotionalen und geistigen Berührungspunkte, welche ich mit meiner Fotografie festhalten und dir zeigen möchte. Es ist der Versuch eben nicht nur einfach ein "cooles Fotomotiv" möglichst eindrucksvoll abzufotografieren, sondern vielmehr Bilder zu erschaffen, die einem tatsächlich etwas bedeuten können. Bilder zu erschaffen, die am Ende viel mehr zeigen als nur die Reproduktion einer gegebenen Szene.
Im Grunde sind es die Bilder, welche die Maler des Expressionismus oder Symbolismus rein fiktiv gemalt haben, die ich versuche in der realen Natur zu finden und mit den Mitteln der reinen Fotografie motivgerecht und wertig umzusetzen.
Und noch mehr. Es ist die Art und Weise, wie solche Bilder als fertiges Kunstwerk mit dem Betrachter und der umgebenden Architektur regelrecht kommunizieren können, welche ich sehr interessant und spannend finde. Ein letzter Aspekt, der mir als Künstler einfach wichtig ist, damit das Kunstwerk am Ende auch einen Sinn ergibt. Und es ist das, was für mich dann den entscheidenden Unterschied zwischen Kunst und reiner Fotografie ausmacht.
Dirk Wellmitz, Locarno 2024
