LANDSCAPE
Orton-Effekt, Timeblending, Luminanz-Masken, Fokus-Stacking, Bildmontagen, Filmsimulationen,… Seit langem ist es ein grosser Trend in der Fotografie, Bilder massiv mit Photoshop zu bearbeiten, damit sie einfach nur irgendwie «cooler» aussehen als in der Realität und somit eine gewisse Aufmerksamkeit erregen. Mich persönlich hat das tatsächlich noch nie berührt. Für mich stand schon immer das Motiv selbst im Vordergrund und nicht die Bearbeitung. Warum sollte ich mir einen Berg in den Dolomiten als Bild an die Wand hängen, wenn ich selbst überhaupt keinen Bezug zum abgebildeten Motiv habe? Wenn so ein Bild nichts weiter aussagt, ausser dass da halt ein Berg zu sehen ist? Das ergibt keinen Sinn für mich. Auch nicht dann, wenn so ein Bild aufwendig bearbeitet ist. Photoshopping alleine ist dann einfach keine Bildaussage. Für mich muss ein Foto immer so etwas wie eine zweite Ebene besitzen. Für etwas bestimmtes stehen, etwas symbolisieren, mit dem Betrachter oder der Umgebung kommunizieren können und so einfach viel mehr sein als die reine Abbildung eines "coolen" Sujets.
In diesem Sinne ist die Landschaftsfotografie eine recht grosse Herausforderung für mich. Zu schnell ist man beim Anblick grossartiger Natur verleitet die Kamera auszupacken und ohne Verstand drauflos zu fotografieren. Gerade im digitalem Zeitalter. In meinen Augen besteht die eigentliche Kunst aber dann genau darin, die Kamera erst einmal in der Tasche zu lassen und stattdessen darüber nachzudenken, was einem das Bild bedeutet. Ich denke, dass man an guten Bildern einfach sehen können sollte, was sich der Fotograf dabei gedacht hat. Denn am Ende sind es genau diese Gedanken, die Inhalte eines Bildes, die einem etwas bedeuten können und nicht die krassen Kontraste, Farben oder die hyperreale Bildschärfe.

Black&White I
DIASEC, Edition 100, Dolomites 2023
Obwohl die Dolomiten schon lange auf meiner Wunschliste standen ist dieses Bild dann doch eher aus einer…ja wie soll ich das beschreiben… einer eher zufälligen kreativen Laune heraus entstanden. Denn eigentlich widerstrebt es mir, die allseits bekannten Fotospots wie 1000 andere vor mir zu fotografieren. Warum auch sollte man das tun? Es macht für mich dann keinen Sinn mit viel Aufwand ein Bild zu fotografieren, welches man für wenig Geld in jedem Möbelmarkt kaufen kann. Doch es sollte anders kommen…
Vor Ort viel mir dann doch auf, dass die Szene durchaus Potenzial für eine richtig spannende Umsetzung hatte. Die vielen Details wie der Schnee in den Bergen, die Wolken, die Baumreihen und Wiesen zeigten sich hier in feinen Helligkeitsabstufungen und so drängte sich die Idee einer Schwarz-Weiss-Umsetzung im Stile eines Ansel Adams förmlich auf. Mit einem Farbfilter fotografiert, gelang es mir, die eindrucksvolle Bergkette vor dem eigentlich viel hellerem Himmel zu betonen und herauszustellen und so den Blick auf den eigentlichen Bildinhalt zu lenken. Ein Lehrstück der klassischen Schwarz-Weiss-Fotografie.

The Green I
DIASEC, Edition 100, Vosges 2022
Will man so etwas wie «grüne Natur» fotografieren kann das unter Umständen auch mal eine recht herausfordernde Aufgabe sein. Einfach in den nächstbesten Wald laufen und ein paar Bilder machen… so einfach ist das gar nicht. Denn so ein Bild möchte gelesen werden wie ein Buch. Schon die alten Maler wussten, dass erst so Dinge wie Licht- und Blickführung oder Bildaufbau ein Bild überhaupt erst interessant erscheinen lassen.
Bei diesem Bild hier verhielt es sich tatsächlich so, dass ich tagelang durch diese ja schon mega schöne und eindrucksvolle Natur gewandert bin, viele interessante Dinge wie urchig bemooste Baumstämme, Szenen im Morgennebel, Flüsse und Wasserfälle gesehen habe….Ich aber dann viele dieser Eindrücke doch nicht fotografieren wollte, weil sie mir für ein echtes Kunstwerk dann einfach doch nicht langten.
Bis ich an dieser Stelle ankam und es mich wie der sprichwörtliche Blitz traf. Tatsächlich musste ich nicht einmal lange überlegen. Bildausschnitt, Perspektive, Kamerastandpunkt… war alles ganz klar vor meinen Augen. Nur das Gegenlicht musste ich mir dann so zurechtlegen, dass ich als I-Tüpfelchen noch den berühmten «Sonnenstern» mit im Bild hatte.
So gesehen für mich auch ein Bild welches mir vor Augen führt, das selbst die schwierigsten Aufgaben auf einmal ganz einfach von der Hand gehen können, wenn die äusseren Umstände einfach besser passen.

Terracotta I
DIASEC, Edition 100, Amalficoast 2021
Neben der Fotografie arbeite ich unter anderem als Fachberater in einem Baumarkt. Als ich unserem «Einkauf» eines Tages Sortiments- bzw. Farbwünsche herantragen durfte und der Begriff «Terracotta» dabei viel, erntete ich ziemlich derben Spott. Terracotta will doch "keine Sau" mehr sehen hiess es unisono. Ich habe da wohl so einige damit leicht überfordert…
Verhält es sich doch so, dass wir in unseren Breitengraden es schlichtweg verlernt haben, wie man glücklich und zufrieden leben kann. Schneeweisse Marmorfussböden und hochglanzpolierte Küchenblöcke ..aber haben Mühe wenn man da jeden Krümel, jeden Wasserfleck, jede Delle sofort unangenehm sieht. Edles Holz in der Wohnung aber wehe es fällt auch nur ein Kugelschreiber herunter…teure Autos aber Panik vor einem Kratzer. Wir haben uns ein Leben gebaut in welchem wir uns oft selber gar nicht mehr wohlfühlen können, weil uns Image und Optik wichtiger ist als dass man das zum Leben tatsächlich gebrauchen könnte. Weil wir so extrovertiert geworden sind, das wir gar nicht mehr nach innen schauen.
Und so stehen diese Bilder hier für mich wie keine anderen für diese typisch italienische Lebensart. Für ein Leben ohne Hochglanz aber dafür angstfrei, entspannt und mit mehr Inhalt. Und ja… Terracotta ist gar nicht so blöd….

Dreamships I
DIASEC, Edition 100, Venice 2022
Eigentlich ist es fast schon ein Grundsatz für mich, bei Regenwetter gerade nicht zu fotografieren. Nicht wegen der reinen Optik sondern eher aus psychologischen Gründen. Das, weil ich mir schlichtweg kein «nasses Bild» , also ein Bild welches Nässe suggeriert, ernsthaft an die Wand hängen würde.
Hier allerdings fand ich die Szene die sich mir am fast menschenleeren Markusplatz bot, doch sehr spannend. Ein leichter Wind bewegte die Schiffe sanft hin- und her und so kam mir die Idee, dieses «Verträumte» mit einer langen Belichtungszeit zu visualisieren. Die Herausforderung bestand dann darin, eine wirklich passende Belichtungszeit zu finden, da ich ja auf der einen Seite die Boote verschwommen darstellen wollte aber andererseits jetzt nicht die gesamte untere Bildhälfte verwackelt sein sollte. Da sich auch die Holzpfähle mit den Booten im Takt bewegten, musste ich zusätzlich auch noch einen Zeitpunkt treffen, an welchem die Pfähle nicht in Bewegung waren. Ich glaube ich habe da an die gefühlt 100 Versuche benötigt um das dann letztendlich so hinzubekommen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber es hat sich gelohnt.

Dreamships II
DIASEC, Edition 100, Venice 2022
Eigentlich ist es fast schon ein Grundsatz für mich, bei Regenwetter gerade nicht zu fotografieren. Nicht wegen der reinen Optik sondern eher aus psychologischen Gründen. Das, weil ich mir schlichtweg kein «nasses Bild» , also ein Bild welches Nässe suggeriert, ernsthaft an die Wand hängen würde.
Hier allerdings fand ich die Szene die sich mir am fast menschenleeren Markusplatz bot, doch sehr spannend. Ein leichter Wind bewegte die Schiffe sanft hin- und her und so kam mir die Idee, dieses «Verträumte» mit einer langen Belichtungszeit zu visualisieren. Die Herausforderung bestand dann darin, eine wirklich passende Belichtungszeit zu finden, da ich ja auf der einen Seite die Boote verschwommen darstellen wollte aber andererseits jetzt nicht die gesamte untere Bildhälfte verwackelt sein sollte. Da sich auch die Holzpfähle mit den Booten im Takt bewegten, musste ich zusätzlich auch noch einen Zeitpunkt treffen, an welchem die Pfähle nicht in Bewegung waren. Ich glaube ich habe da an die gefühlt 100 Versuche benötigt um das dann letztendlich so hinzubekommen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber es hat sich gelohnt.

Stellisee I
DIASEC, Edition 100, Zermatt 2022
Ja ich gebs ja zu, ich habs getan. Wenn man in der Schweiz lebt, dann ist das Matterhorn einfach Pflicht. Da kommt man nicht daran vorbei. Wer genau hinschaut, kann links einige kleine Absperrbänder am See entdecken. Tatsächlich wäre es ein Leichtes gewesen, diese Bänder mit Photoshop zu entfernen aber eigentlich drückt dieses kleine Detail dann doch etwas für mich etwas aus, was ich hier mit diesem Bild einmal dezent thematisieren möchte: Wir haben in der Schweiz eine einzigartige, ja man könnte sagen spektakuläre Natur. Aber anstatt das zu schätzen, zu respektieren und umsichtig damit umzugehen machen wir nur zu oft wahre Erlebnisparks aus solchen Orten. Muss man unbedingt auch noch Sportveranstaltungen in sonst fast unberührter Natur durchführen oder aus der Verzasca einen Badeplatz ohnegleichen machen? Schade… und nein, ich lass die Bänder im Bild. Zum Nachdenken….

The Green I
DIASEC, Edition 100, Vosges 2022
Will man so etwas wie «grüne Natur» fotografieren kann das unter Umständen auch mal eine recht herausfordernde Aufgabe sein. Einfach in den nächstbesten Wald laufen und ein paar Bilder machen… so einfach ist das gar nicht. Denn so ein Bild möchte gelesen werden wie ein Buch. Schon die alten Maler wussten, dass erst so Dinge wie Licht- und Blickführung oder Bildaufbau ein Bild überhaupt erst interessant erscheinen lassen.
Auch bei diesem Bild hier verhielt es sich tatsächlich so, dass ich tagelang durch diese ja schon mega schöne und eindrucksvolle Natur gewandert bin, viele interessante Dinge wie urchig bemooste Baumstämme, Szenen im Morgennebel, Flüsse und Wasserfälle gesehen habe….Ich aber dann viele dieser Eindrücke doch nicht fotografiert habe, weil es mir für ein echtes Kunstwerk dann einfach doch nicht langte.
Bis ich an dieser Stelle ankam und es mich wie der sprichwörtliche Blitz traf. Tatsächlich musste ich nicht einmal lange überlegen. Bildausschnitt, Perspektive, Kamerastandpunkt… war alles ganz klar vor meinen Augen.
So gesehen für mich auch ein Bild das mir vor Augen führt, das manchmal die schwierigsten Aufgaben auf einmal ganz einfach von der Hand gehen können, wenn die äusseren Umstände einfach besser passen.

Somewhere
DIASEC, Edition 100, Dolomites 2022
Ein kleiner Bergsee irgendwo in den Dolomiten. Ich persönlich mag diese unbekannten Nebenschauplätze viel mehr als die «Big Pictures» wie zum Beispiel die «Drei Zinnen» oder ähnliche Motive. Unweigerlich kommen einem beim Anblick der bekannten Spots die Bilder eines überbordenden Massentourismus in den Sinn. Mit Natur bzw. dem was es einem bedeutet, hat das für mich dann nichts mehr zu tun. Tatsächlich habe ich mich sehr schwergetan, den Karersee für ein anderes Bild zu fotografieren, weil man den Kopf beim Betrachten solcher Bilder dann eben doch nicht mal so einfach ausschalten kann. Von daher strahlt dieses Bild hier für mich dieses Ursprüngliche, diese Ruhe in den Bergen viel mehr aus als eben solche Aufnahmen von weltweit bekannten Fotospots.

Higher
DIASEC, Edition 100, Ticino 2025
Wenn man mit der Landschaftsfotografie beginnt, dann stellt sich vor allem erst einmal die Frage, wie man gute Fotomotive überhaupt erst einmal finden kann. Es ist ja nicht so, dass so etwas direkt vor der Haustür liegt. Dieses hier gezeigte Kleinod liegt dann recht versteckt in einer Tessiner Schlucht und ist in keinem Wanderbuch, auf keiner Webseite oder dergleichen beschrieben. Solche Orte kann man nicht auf «Google Earth» finden, sondern muss sie sich vielmehr ganz einfach selbst erlaufen. Viele meiner Motive habe ich dann nur dadurch entdeckt, weil ich oft einfach ein gutes Stück weiter gelaufen oder eben höher geklettert bin, als andere. Nicht immer ganz ungefährlich mit gut 20 kg Foto- und Wanderausrüstung auf dem Rücken. Zumal die «Wege» dorthin dann nicht selten keine offiziellen Wanderwege mehr sind und man sich als naturliebender Fotograf dann schon fragen muss, wie weit man da gehen möchte. In jeglicher Hinsicht.
Und so sind solche Bilder für mich auch ein Synonym dafür, das man vieles erreichen kann, wenn man bereit ist, ein Stück höher zu klettern.

Higher II
DIASEC, Edition 100, Ticino 2022
Wenn man mit der Landschaftsfotografie beginnt, dann stellt sich vor allem erst einmal die Frage, wie man gute Fotomotive überhaupt erst einmal finden kann. Es ist ja nicht so, dass so etwas direkt vor der Haustür liegt. Dieses hier gezeigte Kleinod liegt dann recht versteckt in einer Tessiner Schlucht und ist in keinem Wanderbuch, auf keiner Webseite oder dergleichen beschrieben. Solche Orte kann man nicht auf «Google Earth» finden, sondern muss sie sich vielmehr ganz einfach selbst erlaufen. Viele meiner Motive habe ich dann nur dadurch entdeckt, weil ich oft einfach ein gutes Stück weiter gelaufen oder eben höher geklettert bin, als andere. Nicht immer ganz ungefährlich mit gut 20 kg Foto- und Wanderausrüstung auf dem Rücken. Zumal die «Wege» dorthin dann nicht selten keine offiziellen Wanderwege mehr sind und man sich als naturliebender Fotograf dann schon fragen muss, wie weit man da gehen möchte. In jeglicher Hinsicht.
Und so sind solche Bilder für mich auch ein Synonym dafür, das man vieles erreichen kann, wenn man bereit ist, ein Stück höher zu klettern.

Green III
DIASEC, Edition 100, Vosges 2022
Nicht alles, was live vor Ort spektakulär fotogen daherkommt sieht dann auch auf einem Bild an der Wand noch schön und vor allem interessant aus. Schon die alten Landschaftsmaler wussten, dass so Dinge, welche auf den ersten Blick erst einmal rein gar nichts mit Natur zu tun haben, so Dinge wie trockene Mathematik (Linienführung oder der berühmte goldene Schnitt), am Ende nahezu unverzichtbar sind. Das vor allem deshalb, weil wir am Ende mit dem Kopf und nicht mit den Augen sehen. Der Verstand will ein Bild lesen… wie ein Buch. Und ein Bild ist erst dann ein Kunstwerk, wenn man es lesen kann…
So gesehen sind solche Bilder wie dieses hier ein echter Glücksfall und ja, ich möchte sagen fast schon extrem schwer zu finden. Ohne jetzt eine genaue Bildanalyse durchzuführen kann man hier doch erkennen, dass es hier trotz «wilder Natur» die ja grundsätzlich chaotisch ist (Bäume wachsen nur sehr selten in einem Raster) viele Linien und Winkel gibt, die den Blick durch das Bild lenken und so den Betrachter an das Bild fesseln.
Für mich immer noch eines meiner Lieblingsbilder, weil es das zeigt, was mir in meiner Fotografie wichtig ist. Nämlich das in einem Bild viel mehr stecken kann, als man auf den ersten Blick rein optisch sieht…

" Hope "
DIASEC, Edition 100, Vosges 2023
«Hope» ist ein Bild welches tatsächlich sehr lange nur auf meiner Festplatte dahinschlummerte und lange brauchte, bis ich es in mein offizielles Portfolio aufnahm. Es war mir als ein scheinbar doch recht simples Waldfoto anfangs zu banal für ein Kunstwerk. Doch mir viel einfach auf, dass ich mir trotzdem immer wieder gerne genau dieses Bild vor Augen führte. Am Ende ist es diese, wenn auch sehr dezente Symbolik des Bildes, die ich mit «Licht am Ende des Tunnels» beschreiben würde, welche immer wieder mein Interesse weckt. Und noch mehr. Die drei Bäume am Ende des «Tunnels» sind ja nicht ohne Hintergedanken genau so fotografiert worden, sondern mir war von Anfang an klar, dass es genau das ist, was der Phantasie dann viele Möglichkeiten eröffnet. Mag sein das in Anbetracht einer solchen Symbolik mein ADHS Purzelbäume schlägt. Ich traue mich hier gar nicht zu sagen, was ich da in dem Bild am Ende alles sehe.

" Terracotta II "
DIASEC, Edition 100, Amalficoast 2022
Neben der Fotografie arbeite ich unter anderem als Fachberater in einem Baumarkt. Als ich unserem «Einkauf» eines Tages Sortiments- bzw. Farbwünsche herantragen durfte und der Begriff «Terracotta» dabei viel, erntete ich ziemlich derben Spott. Terracotta will doch keine Sau mehr sehen hiess es unisono. Ich habe da wohl so einige damit überfordert…
Verhält es sich doch so, dass wir in unseren Breitengraden es schlichtweg verlernt haben, wie man glücklich und zufrieden leben kann. Schneeweisse Marmorfussböden und hochglanzpolierte Küchenblöcke …aber haben Mühe wenn man da jeden Krümel, jeden Wasserfleck, jede Delle sofort unangenehm sieht. Edles Holz in der Wohnung aber wehe es fällt auch nur ein Kugelschreiber herunter… teure Autos aber wir bekommen Panik bei einem Kratzer. Wir haben uns ein Leben gebaut in welchem wir uns oft selber gar nicht mehr wohlfühlen können, weil uns Image und Optik wichtiger ist als dass man das zum Leben tatsächlich gebrauchen könnte.
Und so stehen diese Bilder hier für mich wie keine anderen für diese typisch italienische Lebensart. Für ein Leben ohne Hochglanz aber dafür angstfrei, entspannt und mit mehr Inhalt. Und ja… Terracotta ist gar nicht so blöd….

" Terracotta III "
DIASEC, Edition 100, Venice 2022
Neben der Fotografie arbeite ich unter anderem als Fachberater in einem Baumarkt. Als ich unserem «Einkauf» eines Tages Sortiments- bzw. Farbwünsche herantragen durfte und der Begriff «Terracotta» dabei viel, erntete ich ziemlich derben Spott. Terracotta will doch keine Sau mehr sehen hiess es unisono. Ich habe da wohl so einige damit überfordert…
Verhält es sich doch so, dass wir in unseren Breitengraden es schlichtweg verlernt haben, wie man glücklich und zufrieden leben kann. Schneeweisse Marmorfussböden und hochglanzpolierte Küchenblöcke …aber haben Mühe wenn man da jeden Krümel, jeden Wasserfleck, jede Delle sofort unangenehm sieht. Edles Holz in der Wohnung aber wehe es fällt auch nur ein Kugelschreiber herunter… teure Autos aber wir bekommen Panik bei einem Kratzer. Wir haben uns ein Leben gebaut in welchem wir uns oft selber gar nicht mehr wohlfühlen können, weil uns Image und Optik wichtiger ist als dass man das zum Leben tatsächlich gebrauchen könnte.
Und so stehen diese Bilder hier für mich wie keine anderen für diese typisch italienische Lebensart. Für ein Leben ohne Hochglanz aber dafür angstfrei, entspannt und mit mehr Inhalt. Und ja… Terracotta ist gar nicht so blöd….

" The Conquest "
DIASEC, Edition 100, Apulien 2022
Alte verlassene Ruinen können nicht nur als Fotomotiv, sondern auch als Ort an sich sehr reizvoll und interessant sein. Fragt man sich doch, wie wohl das Leben hier früher einmal ausgesehen hat? Nur ohne echte Zeitzeugen sollte man aufpassen, nicht allzu viel hinein zu interpretieren was ggf. gar nicht da ist. Ich kann letztendlich nicht etwas fotografieren, von dem nicht wirklich weiss, was es eigentlich war und ist. Fotografieren nur weil es cool aussieht… nein das geht einfach nicht. Hier allerdings weckte das Grün inmitten dieser alten Ruine mein Interesse. Gerade in Anbetracht dessen, dass diese Ruine irgendwo in Apulien steht und es dort um die Mittagszeit an die 40 Grad im Schatten hatte. Mit entsprechender Vegetation, welche man im Hintergrund noch vage erkennen kann. Und so steht dieses Bild für mich dafür, wie die Natur immer wieder unermüdlich, unbeharrlich versucht, sich verlorene Lebensräume zurückerobern. Selbst in lebensfeindlichen Umgebungen wie auf dem Schutthaufen einer Ruine.

" Stellisee II "
DIASEC, Edition 100, Zermatt 2022
Ja ich gebs ja zu, ich habs getan. Wenn man in der Schweiz lebt, dann ist das Matterhorn einfach Pflicht. Da kommt man nicht daran vorbei. Wer genau hinschaut, kann links einige kleine Absperrbänder am See entdecken. Tatsächlich wäre es ein Leichtes gewesen, diese Bänder mit Photoshop zu entfernen aber eigentlich drückt dieses kleine Detail dann doch etwas für mich etwas aus, was ich hier mit diesem Bild einmal dezent thematisieren möchte: Wir haben in der Schweiz eine einzigartige, ja man könnte sagen spektakuläre Natur. Aber anstatt das zu schätzen, zu respektieren und umsichtig damit umzugehen machen wir nur zu oft wahre Erlebnisparks aus solchen Orten. Muss man unbedingt auch noch Sportveranstaltungen in sonst fast unberührter Natur durchführen oder aus der Verzasca einen Badeplatz ohnegleichen machen? Schade… und nein, ich lass die Bänder im Bild. Zum Nachdenken….